Low Five DAX

Low Five DAX

Die Strategie des Low Five Dow lässt sich ohne Probleme auch auf den deutschen Markt übertragen, wie der Low Five DAX zeigt.
Das Schöne an den Dividendenstrategien ist, dass Sie nicht nur in den USA funktionieren, sondern auch in anderen Ländern, beispielsweise in Deutschland.
Die Dividendenstrategie à la Low Five DAX brachte zwischen 1960 und 2004 eine jährliche Performance von durchschnittlich 9,6%. Der DAX 30 schaffte nur 4,9%. Aus einem Startkapital von umgerechnet 1.000€ Anfang 1960 wurden nach der Low-Five-Strategie in den 45 Jahren über 62.000€. Das Startkapital in DAX-Aktien brachte am Ende nur rund 8.500€.
Low Five DAX: Weniger Verlustjahre, auch in der Baisse
Bei Auswahl von dividendenstarken Aktien ist die Zahl der Verlustjahre niedriger. Die Low Five DAX brachten zwischen 1960 und 2004 insgesamt 13 Verlustjahre, der DAX 30 schloss dagegen 17-mal im Minus.
Noch deutlicher wird die unterschiedliche Entwicklung im Chart. Auch hier wird der Zinseszinseffekt erst nach etwa 20 Jahren sichtbar.
Noch etwas wird deutlich:
Im Jahrtausend-Crash gingen Dividendenstrategien zwar deutlich nach unten, sie konnten sich aber schneller wieder erholen. So verloren zwar auch in der Baisse 2000 bis 2002 die jeweils aktuellen Low Five im DAX dramatisch an Wert, nämlich 50,3%. Doch im DAX 30 selbst ging es in den drei Jahren zusammen mit minus 56,6% noch weiter nach unten.
Low Five DAX: Starkes Plus in der Hausse
2003 legten die Dividendenwerte wieder stark zu: Die Low Five DAX schafften in dem Jahr ein Plus von 50,6%. Der DAX 30 brachte nur einen Anstieg von 16,3%. So weit die Statistik. Sie wüssten sicher gerne, wie sich die Low-Five-Kandidaten konkret entwickelt haben.
Jetzt sehen wir noch einmal genau, warum man nicht alles auf eine Aktie setzen sollte: Lufthansa hatte bei unserem angenommenen Auswahlzeitpunkt für das Low Five DAX Depot am 4.1.2004 mit 4,7% die höchste Dividendenrendite und obendrein den niedrigsten Kurs.
Hätten Sie auf den dividendenstärksten Wert im DAX 30 gesetzt, hätten Sie verloren. Wenige Monate nach dem Start des Depots im Januar 2004 meldete die Fluglinie einen Verlust von 1,0 Milliarden € und die Streichung der geplanten Dividende. Das kann immer passieren. Sie hätten einen Verlust von 16,5%.
Streuen Sie das Risiko durch mehrere Titel im Low Five-DAX Depot
Nie alles auf eine Karte setzen. Besser streuen Sie Risiko auf mehrere Titel. Der Verlust bei Lufthansa wurde mit einem Plus von 35,4% bei RWE mehr als ausgeglichen. Mit dem kompletten Low Five-Depot hätten Sie insgesamt 8,3% in einem Jahr verdient. Der DAX 30 brachte 6,8%. 1,5% mehr Rendite pro Jahr bringt über einen längeren Zeitraum von zehn oder 20 Jahren durch den Zinseszinseffekt ein Vermögen.
Bei den Nebenwerten aus der zweiten Reihe ist der Unterschied zwischen dem Vergleichsindex MDAX und dem Low Five MDAX Depot eklatant. Wie Sie aus der Tabelle oben sehen, brachte die Dividendenstrategie ein Plus von 42,1% in zwölf Monaten. Der MDAX selbst legt nur 20,0% zu.
Warum konnten die Nebenwerte so extrem zulegen?
1. Die Dividendenrendite liegt im Low Five MDAX Depot mit durchschnittlich 4,0% leicht über dem Low Five DAX Depot mit 3,9%. Dieser kleine Unterschied war aber sicher nicht der Grund.
2. Beim Blick auf das erwartete KGV wird deutlich, warum die Werte aus dem MDAX besser liefen als im DAX 30. Am 4.1.2004 lag das für 2004 erwartete KGV bei den Low Five-DAX 30-Werten bei 73,5. Selbst wenn man die extrem hohe Bewertung der TUI herausrechnet, hatten die verbleibenden vier Aktien im Low Five DAX Depot ein erwartetes KGV von 21,1. Im MDAX dagegen lag das erwartete KGV bei 13,4.
3. Die Firmen aus der zweiten, dritten und vierten Reihe werden von Analysten, Fondsmanagern und Privatanlegern nicht so intensiv beobachtet wie die Blue Chips aus dem DAX 30. Es kann sein, dass bei den Nebenwerten gute Meldungen über Wochen oder Monate nicht bemerkt werden und dass der Kurs lange niedrig bliebt. 2003 und 2004 gab es einen Modewechsel. Nach den Crash-Jahren blicken die Anleger nicht mehr auf Wachstum, sondern lieber auf fundamental gesunde Firmen, hohe Substanz und eine niedrige Bewertung. Davon konnte der MDAX stark profitieren. Noch besser die attraktiveren Werte im Low Five MDAX.
So gehen Sie bei der Low Five-Strategie vor
1. Der erste Schritt ist der gleiche wie bei der Dogs of the Dow-Strategie. Sie suchen die zehn Aktien aus einem Index, beispielsweise dem DAX 30, mit der höchsten Dividendenrendite.
2. Wählen Sie aus diesen zehn Aktien die fünf Werte, die den niedrigsten Aktienkurs haben.
3. Kaufen Sie diese fünf Aktien und investieren Sie in jede den gleichen Betrag. Kaufen Sie die fünf Aktien zum selben Zeitpunkt. Welcher spielt dabei keine Rolle.
4. Halten Sie die fünf Aktien zwölf Monate im Depot.
Der Low Five DAX im Beispiel
Wenn Sie tatsächlich einsteigen, müssen Sie die Daten aktuell ermitteln. Das funktioniert nicht nur mit den Aktien aus dem Dow Jones oder DAX 30, sondern genauso mit jedem anderen Index, wie etwa EuroStoxx, MDAX oder SDAX.
Für die Ermittlung der zehn Aktien aus dem DAX 30 mit der höchsten Dividendenrendite, also die Dogs of DAX, war’s das schon. Sie müssten diese zehn Werte nur kaufen und zwölf Monate im Depot liegen lassen. Schon hätten Sie die Strategie der Dogs umgesetzt.
Nun noch zu den Low Five DAX: Dabei müssen Sie einfach die fünf Aktien aus der Tabelle auswählen, die am Stichtag, im Beispiel am 9.6.2005, den niedrigsten Aktienkurs hatten.
Tipp zur Dividendenstrategie
Konzentrieren Sie sich bei den einfachen Dividendenstrategien auf die Low Five. Hier lag in der Vergangenheit die Performance höher als bei den Dogs of the Dow bzw. DAX 30. Und sie müssen nicht gleich zehn Aktien kaufen. Auch die fünf Werte bieten für den Einstieg eine zufrieden stellende Risikostreuung.
Auch internationale Dividendenwerte sind durchaus attraktiv
Beim Austüfteln von Dividendenportfolios sollten Sie die Nachhaltigkeit der Dividende im Auge haben. Im DAX 30 beispielsweise bieten die Deutsche Telekom und Lufthansa derzeit eine überdurchschnittlich hohe Dividendenrendite von 4,1 bzw. 2,9%. Doch bei beiden Unternehmen wurden die Anleger in den vergangenen fünf Jahren jeweils zweimal durch Dividendenausfälle enttäuscht. Grund dafür waren Ertragsschwäche und hohe Verluste. Auf jeden Fall hat das Spuren in der Performance hinterlassen: In den vergangenen fünf Jahren sitzen Telekom-Aktionäre inklusive Dividenden auf einem Minus von 75%. Bei der Lufthansa macht der Verlust 47% aus.
In Deutschland sollten Sie sich die Vorzugsaktien ansehen: Diese schneiden durchweg besser ab als die Stammaktien. Eine höhere Dividende, aber auch die Phantasie einer Zusammenlegung mit den Stammaktien ist eben gut für den Aktienkurs.
Wenn Sie die deutschen mit den internationalen Dividendenwerten vergleichen, können Sie feststellen, dass die Dividendenrendite im Ausland zum Teil höher ist als bei den deutschen Indizes. Während Sie im DAX 30 zurzeit eine durchschnittliche Dividendenrendite von 2,5% bekommen, sind es im Euro Stoxx 50, mit den 50 größten Firmen im Euro-Raum, 3,1%. Noch mehr gibt es an der Leitbörse der Niederlande AEX mit 3,4% und an der italienischen Leitbörse in Mailänder MIB mit 3,6%.
Risikostreuung auch bei der Low Five DAX-Strategie
Ausländische Dividendenwerte bringen nicht nur eine zum Teil höhere Dividendenrendite, sondern einen weiteren Vorteil: Weniger Risiko. Mit der breiten Streuung der Aktien auf verschiedene Länder können Sie das Risiko in Ihrem Depot senken. Das bewies schon 1952 der Wirtschaftsprofessor Harry M. Markowitz in seiner Portfoliotheorie. Als Konsequenz seiner Theorie empfiehlt der US-Nobelpreisträger den Anlegern Diversifikation:
Sie sollten nicht alle Eier in einen Korb legen, sondern streuen und dabei Aktien auswählen, die sich im Konjunkturablauf oder bei bestimmten Ereignissen gegenläufig entwickeln. Wer beispielsweise nur Aktien aus einem Land im Depot hat, schneidet schlecht ab, wenn dort die Konjunktur oder Börse dümpelt oder wenn die politischen Rahmenbedingungen nicht passen.
Konsequenterweise rät Markowitz auch dazu, im Rahmen der Diversifikation nicht nur auf Firmen derselben Branche zu setzen. Denn ist die Branchenkonjunktur schwach, laufen auch die Aktien im Sektor normalerweise nicht besonders gut.
Streuung der Aktien nach Branchen und Regionen
Für Sie empfiehlt sich damit eine Streuung der Aktien nach Branchen und Regionen. Bei Dividenden ist die Streuung aber nicht so schwer. Gute Dividendenaktien gibt es quer Beet durch alle Branchen. Und auch im Ausland finden Sie jede Menge Firmen mit hoher Ausschüttung.
Bedenken Sie bei internationalem Depot die Währungsrisiken
Es gibt allerdings einen Wermutstropfen:
Beim Kauf von internationalen Aktien handeln Sie sich gleichzeitig ein Währungsrisiko ein. Steigt der € gegenüber der jeweiligen Währung, zum Beispiel dem US-$, dann schmilzt auch der Wert der Auslandsaktie in €. Wer sich beispielsweise vor fünf Jahren US-Aktien gekauft hat, sitzt jetzt auf einem reinen Währungsverlust von fast 50%. Denn die US-Währung fiel zwischen 2000 von 0,82 $ je € auf 1,36 $ je € bis Ende 2004.
Einziger Trost:
Der € kann auch fallen – Sie stecken dann zur Dividende und einem möglichen Kursanstieg unerwartete Währungsgewinne ein. Wem die Währungsrisiken zu hoch sind, dem bieten sich im Euro-Raum genug interessante Dividendenaktien.
Tipp für hohe Dividenden bei internationalen Aktien
Wer hohe Dividenden bei internationalen Aktien kassieren will, der sollte vor allem bei Werten aus exotischen Ländern auch die Gebühren seiner Bank im Auge haben.