Abfindungsstrategie

Die Abfindungsstrategie

Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag oder Squeeze-out-Verfahren bieten Ihnen oft hohe Gewinnchancen.
»Aktienmehrheit: Dividende et impera.«
Gerhard Uhlenbruck, Philosoph
Hohe Garantiedividenden bekommen Sie als Anleger manchmal aber noch aus einem anderem Grund. Dann nämlich, wenn bei einem Unternehmen so gut wie alle Aktien in fester Hand eines Grossaktionärs sind. Diese Töchter sind dabei meist schon sehr lange im Geschäft, konnten so ein solides Polster mit hoher Eigenkapitalquote und oft auch viel Cash aufbauen. Die Verschuldung ist niedrig, Zinslasten gibt es kaum. So steht meist der gesamte Jahresgewinn für Ausschüttungen zur Vefügung.
Langjährig profitable Firmen bringen meist relativ hohe Dividenden
Wenn Sie sich Aktien solcher langjährig profitabler Firmen kaufen, können Sie meist eine relativ hohe Dividende einplanen. Dabei bestehen oft Beherrschungs- und Gewinnabführungsverträge, über welche die Tochter als beherrschtes Unternehmen den gesamten Jahresüberschuss an den Großaktionär abführen muss. Die freien Minderheitsaktionäre erhalten dafür eine garantierte Ausgleichszahlung und bekommen so eine hohe Rendite von 5% und mehr im Jahr.
Abfindung oder Garantiedividende
Da in solchen Fällen oft 98% oder 99% der Aktien in der Hand der Großaktionäre sind, bieten die Töchter zusätzlich Squeeze-out-Phantasie. Will der Großaktionär irgendwann die restlichen wenigen Anteile der freien Aktionäre, dann muss er diesen dafür ein mehr oder weniger hohes Abfindungsangebot unterbreiten. Dieses basiert üblicherweise auf der Bewertung des Unternehmens durch eine unabhängige Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Auf der Grundlage des so ermittelten Unternehmenswertes wird den außenstehenden Aktionären dann ein entsprechendes Barabfindungsangebot unterbreitet.
Anleger, die dieses nicht annehmen, erhalten dann für ihre noch gehaltenen Aktien eine regelmäßige Ausgleichszahlung, eine Garantiedividende.
Nach der Bewertung durch die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young sollen die außenstehenden Aktionäre eine Barabfindung von 18,89€ je Aktie beim Verkauf an den Großaktionär oder eine jährliche Ausgleichszahlung, also Garantiedividende, von 1,27€ erhalten, wenn sie die Aktie behalten wollen. Aktuell ist das eine Rendite von 5,8%.
Prüfen Sie die Bewertung beim Squeeze-Out
Oft sind die freien Aktionäre mit den so ermittelten Zahlungen des Wirtschaftsprüfers aber nicht einverstanden. Manche Anleger gehen im Rahmen eines Spruchstellenverfahrens vor Gericht. Dort entscheidet dann ein Richter, wie hoch Barabfindung und Ausgleichszahlung sind. Die Verfahren ziehen sich oft über Jahre hin. Ihnen als Anleger winken aber für die Geduld dann oft dicke Kursgewinne.
Hier reicht die Geschichte schon bis ins Jahr 1997 zurück. Damals hatte die SCA Group Holding die PWA Papierwerke Waldhof Aschaffenburg AG mehrheitlich übernommen und in einem Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag festgelegt, dass die freien Aktionäre eine Abfindung von 143,67€ je PWA-Aktie bekommen sollen bzw. eine Garantiedividende von 8,77€. Doch sieben Jahre später, Ende 2004, legte das Landgericht München I im Spruchstellenverfahren höhere Beträge fest: Die Richter hielten deutlich mehr, nämlich 188,67€ als Barabfindung und eine Ausgleichszahlung von 17,32 €, für angemessen.
Abfindungsstrategie01
Wer auf eine Nachbesserung der Barabfindung und Garantiedividende spekuliert, macht häufig, wie im Fall der PWA, dicke Gewinne. Wie das hohe Handelsvolumen zeigt, machten das 1997/1998 ziemlich viele Anleger.
Wie Sie im Chart sehen: Anleger, die 1997 nach der Bekanntgabe der Konditionen des Beherrschungsvertrages auf eine Nachbesserung spekuliert hatten, machten dicke Gewinne. Denn die Aktie stieg von 170€ auf jetzt 292€ . Ein Plus von mehr als 70%. Wird das Urteil rechtskräftig, kommt dazu noch einmal die Zahlung der Garantiedividende von brutto rund 120€. Der Gesamtgewinn liegt dann bei rund 150%. Das sind 20% plus pro Jahr seit 1997.
Ein paar Formalien zur Abfindungsstrategie
Oft sind die freien Aktionäre mit den so ermittelten Zahlungen des Wirtschaftsprüfers aber nicht einverstanden. Manche Anleger gehen im Rahmen eines Spruchstellenverfahrens vor Gericht. Dort entscheidet dann ein Richter, wie hoch Barabfindung und Ausgleichszahlung sind. Die Verfahren ziehen sich oft über Jahre hin. Ihnen als Anleger winken aber für die Geduld dann oft dicke Kursgewinne.
Laut Aktiengesetz kann ein Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag bereits mit 75% der Stimmen auf der Hauptversammlung beschlossen werden. In der Satzung der jeweiligen AG können aber weitere Erfordernisse festlegt sein.
Ein Squeeze-out-Verfahren kann dann eingeleitet werden, wenn der Großaktionär mehr als 95% der Aktien besitzt. Hier können die freien Aktionäre gegen ihren Willen aus der AG gedrängt werden – allerdings nur gegen ein angemessenes Abfindungsangebot.
Im Spruchstellenverfahren entscheidet das Landgericht gegebenenfalls bei Klagen der freien Minderheitsaktionäre über die Höhe der Abfindung bei Beherrschungs- und Gewinnabführungsverträgen und bei der Übertragung der Aktien auf einen Hauptaktionär. Gegen die Entscheidung gibt es noch die Möglichkeit einer Beschwerde beim Oberlandesgericht.
Es gibt einige interessante Fälle. Altaktionäre erhalten für jede t-online-Aktie 0,52 Aktien der Deutschen Telekom. Viele Anleger halten das Angebot für zu niedrig. Oder AXA Versicherung: Nur 72.000 der insgesamt rund 52,5 Millionen Aktien sind im Streubesitz bei den Minderheitsaktionären.
Hier läuft ein Squeeze-out-Verfahren. Die freien Aktionäre sollen nach der Vorstellung des Hauptaktionärs je Stamm- und Vorzugsaktie 77,21€ erhalten. Da der Kurs der Aktien vor Unterbreitung des Angebots im April 2005 im Bereich von 100€ lag, scheinen hier ein Spruchstellenverfahren und eine Nachbesserung des Angebots möglich.
Aktien werden schnell mit Aufgeld an der Börse gehandelt
Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag oder Squeeze-out-Verfahren bieten Ihnen oft hohe Gewinnchancen. Ein Punkt ist für Sie als Anleger, der einsteigt, besonders wichtig: Oft werden die Aktien schon ziemlich rasch nach dem Angebot mit einem Aufgeld an der Börse gehandelt.
Bei Phoenix beispielsweise beträgt das Abfindungsangebot laut Beschluss der Hauptversammlung 18,89€. Der Kurs liegt aber derzeit um rund 15% höher. Einige Analysten und Investoren halten hier eine Barabfindung von deutlich über 20€, manche sogar von bis zu 30€, für angemessen und rechnen so mit einer Nachbesserung, möglicherweise in einem Spruchstellenverfahren vor Gericht.
Bis Sie als Anleger in solchen Fällen ein höheres Angebot bekommen, vergehen manchmal zehn Jahre. Warten kann sich allerdings, wie im Fall PWA, auszahlen.
Tipp zur Abfindungsstrategie
Spekulieren Sie auf Aktien mit einem Großaktionär, der etwa 80% oder mehr an einem Unternehmen hält. Sie bekommen dann nicht nur oft eine hohe Dividendenrendite, sondern haben möglicherweise die Chance auf einen Kursgewinn im Falle eines Squeeze-out.
Achten Sie auf die Handelsumsätze der Aktien. Wie bei den Spekulationen auf Nachbesserung gibt es bei vielen attraktiven Dividendenwerten manchmal nur wenig Handelsvolumen an der Börse. Sie müssen als Anleger dann vor allem bei größeren Beträgen manchmal einige Tage oder gar Wochen Geduld aufbringen, bis Sie die gewünschte Aktienzahl kaufen oder verkaufen können. Nicht vergessen: In solchen Fällen immer mit Limit arbeiten.