Aktienrückkauf

Ausschüttung via Aktienrückkauf

Aktienrückkäufe lassen die Aktienkurse ordentlich ansteigen. Ein Vorteil: Die Gewinne bleiben steuerfrei. Lesen Sie hier mehr.
Das Unternehmen startete am 13. April 2005 ein Aktienrückkaufprogramm, befristet bis 20. Mai 2005, mit einem Wert von insgesamt 448 Millionen Euro – also knapp 10% des gesamten Börsenwertes – und anschließendem Einzug der Papiere. Schon in den ersten zwei Wochen nach Start wurden Aktien für rund 180 Millionen Euro eingesammelt.
Aktienrückkäufe lassen die Aktienkurse steigen
Das Beispiel für eine Art der Beteiligung der Aktionäre am Gewinn, die immer beliebter wird: Aktienrückkäufe. Hier bekommen Sie zwar nicht direkt Geld überwiesen, dafür steigen aber die Aktienkurse. Derzeit haben fast alle Unternehmen im DAX 30 die Ermächtigung ihrer Aktionäre, Aktien des eigenen Unternehmens zurückzukaufen. Meist sind das nur Vorratsbeschlüsse. Aber etwa die Hälfte der Unternehmen aus dem DAX 30 ist tatsächlich am Markt aktiv und kauft eigene Aktien.
Aktienrückkauf statt Schuldentilgung
Das ist in Zeiten niedriger Zinsen attraktiv. Es lohnt sich für ein Unternehmen eher, Aktien vom Markt zu nehmen, als niedrig verzinste Schulden zu tilgen. Nicht jeder Aktienrückkauf ist aber gut für Sie. Es gibt drei Möglichkeiten:
1. Ein Aktienrückkauf mit dem Ziel, die eigenen Aktien als Akquisitionswährung für mögliche Übernahmen einzusetzen. Dabei sinkt aber nicht die Zahl der Aktien. Der positive Effekt bleibt aus.
2. Aktienrückkäufe, um Optionsprogramme für Mitarbeiter zu bedienen. Das wirkt normalerweise negativ auf den Aktienkurs. Im Rahmen der Programme sinkt Ihr Anteil als Aktionär am Gewinn und Vermögen des Unternehmens. Der Gewinn wird so niedriger. Er wird verwässert.
3. Aktienrückkäufe als Ersatz oder Teil der Ausschüttung mit dem Ziel, die zurückgekauften Aktien danach einzuziehen und so die Zahl der ausgegebenen Aktien zu reduzieren.
Nur Fall 3 ist tatsächlich als Maßnahme des Shareholder Value, also der Wertschaffung für den Aktionär, anzusehen: Die Aktien werden am Markt aus Rücklagen gekauft. Danach finden ein formales Einziehungsverfahren mit anschließender Kapitalherabsetzung des Grundkapitals und entsprechender Minderung der Aktienzahl sowie die Eintragung im Handelsregister statt.
Aktienrückkäufe in Deutschland nicht sehr verbreitet
Während Dividenden möglichst kontinuierlich gezahlt werden, sind Rückkäufe oft einmalige Ereignisse, die sich über Monate hinziehen. Ein Rückkauf ist sinnvoll, wenn ein größerer Betrag an die Aktionäre ausgeschüttet werden soll. In Deutschland sind Aktienrückkäufe nicht so verbreitet wie in anderen Ländern. Sie sind hier zu Lande erst seit 1998 erlaubt. Firmen dürfen maximal bis zu 10% der eigenen Aktien zurückkaufen.
Kursgewinne steuerfrei
Gegenüber Dividendenzahlungen bieten die Rückkäufe einen großen Vorteil: Die möglichen Kursgewinne bleiben, anders als Dividendenzahlungen, steuerfrei. Dann, wenn Sie als Anleger die Aktien länger als die gesetzliche Spekulationsfrist von einem Jahr im Depot haben. Der Steuervorteil gegenüber Dividenden beträgt dabei etwa 20%.
Aktien mit Rückkaufprogrammen stärker als der Markt
Nach Untersuchungen der US-Investmentbank Morgan Stanley steigen Aktien mit Rückkaufprogrammen deutlich stärker als der Markt. Nach Angaben der Banker lag der Unterschied im Betrachtungszeitraum zwischen 1997 und 2003 bei europäischen Aktien in den ersten zwölf Monaten nach Ankündigung eines Rückkaufprogramms im Durchschnitt bei 13%. Noch besser lief es bei Unternehmen, die beim Kurs-Buchwert-Verhältnis KBV unter den billigsten 20% waren. Sie brachten 21% mehr als der Markt.
Aktienrückkauf wegen unterbewerteter Aktien
Kauft das Management die Aktien des eigenen Unternehmens zurück, hält es die Aktie für unterbewertet. Da der Vorstand besser über den Zustand des Unternehmens Bescheid weiß als die Anleger, schließen sich diese der Meinung des Managements an.
Das Unternehmen konnte sich im Geschäftsjahr 2002/03 durch den Verkauf der Tochter für 105 Millionen € komplett entschulden, und es blieben 29 Millionen € Cash übrig. Das Eigenkapital des Unternehmens lag bei 61,7 Millionen € bzw. 8,0€ je Aktie. Bei einem Aktienkurs von zeitweise unter 2,2€ lag der Börsenwert des Konzerns immer wieder im Bereich von 17 Millionen €.
Grund genug für den Vorstandschef, 2002 ein Aktienrückkaufprogramm zu starten, knapp 10% der Aktien zurückzukaufen und 2003 einzuziehen. Auf jeden Fall stieg der Kurs der Aktie innerhalb weniger Tage nach Ankündigung der Maßnahme um über 10%. Sie als Anleger hätten von der Ankündigung der Maßnahme schön profitiert. Nicht nur durch den gestiegenen Kurs, sondern auch durch einen höheren Anteil Ihrer Aktien am Eigenkapital und den liquiden Mitteln.
Das funktioniert ganz einfach:
Durch den Rückkauf stieg das Eigenkapital je Aktie von 8,01 auf 8,94€.
Anders ausgedrückt:
Beim Rückkauf wurden für einen durchschnittlichen Rückkaufkurs von 2,97€ je Aktie 8,01€ Eigenkapital eingekauft. Ein schönes Geschäft.
Selbst wenn der Kurs der Aktie dann nicht steigen sollte:
Die Unterbewertung wird noch größer. Für Sie als Aktionär sinkt das Risiko von Kursrückschlägen bei der ohnehin zu niedrig bewerteten Aktie weiter ab. Das erklärt, warum Aktien mit einem niedrigen KBV stärker steigen als bei den übrigen Rückkäufen.
Aktienrückkauf dient der Disziplin des Managements
Ein Aktienrückkauf ist – genauso wie die Zahlung einer regelmäßigen Dividende – gut für die Disziplin des Managements. Denn werden die freien Mittel in den Kauf eigener Aktien gesteckt, bleibt weniger Geld für Verschwendung: Für unrentable Investitionen, für den Bau von Prestigebüros oder für überteuerte Firmenkäufe.
Steuern sparen durch Aktienrückkauf
Durch den Aktienrückkauf kann ein Unternehmen zusätzlich Steuern sparen. Nimmt ein Unternehmen für den Rückkauf der Aktien Schulden auf, sinkt die Steuerlast im Unternehmen. Sollzinsen für die Kredite können als Kosten des Fremdkapitals vom Gewinn abgezogen werden. Dividendenzahlungen mindern die Steuerlast dagegen nicht.
Rückkäufe sind also gut für den Anleger. Aber Europa liegt dabei deutlich hinter den USA. Bis Ende der 90er-Jahre lag die Rendite, die Aktionäre über Rückkäufe der europäischen Unternehmen erzielten, meist im Bereich von weniger als 0,2% pro Jahr. In den USA dagegen machten die Anleger mit dieser Form der Dividende eine jährliche Rendite meist von mehr als 1%.
Inzwischen hat sich das Bild geändert. 2003 lag die Rendite aus Aktienrückkäufen in den USA bei 1,8%. In Europa kamen die Anleger auf 1%. Die Dividendenrendite der zugrunde liegenden Aktien in Europa lag 2003 bei 3,2%.
Wie Sie sehen, sind mit zwei Schweizer Unternehmen unter den zehn aktivsten Aktienrückkäufern in Europa. Die Schweizer Anleger profitieren zusätzlich von einem Steuervorteil gegenüber der normalen Dividendenzahlung von fast 40%.
Aktienrückkauf + gute Performance
Auch die Performance kann sich sehen lassen. Alle zehn Top-Rückkäufer schnitten deutlich besser ab als der jeweilige Vergleichsindex. Inklusive gezahlter Dividenden legte der Konzern um satte 168% zu. Der Vergleichsindex CAC 40 schaffte nur ein Plus von 53,7%.
Suchen Sie nach Aktienrückkäufen!
Kaufen Sie Aktien, bei denen Rückkaufprogramme angekündigt wurden, gleich am Tag der Meldung. Setzen Sie damit auf überdurchschnittliche Kursgewinne in den folgenden sechs bis zwölf Monaten.
Auch bei Aktienrückkaufprogrammen müssen Sie Ihre Hausaufgaben erledigen und die Meldungen aus den Unternehmen verfolgen. Viele Rückkaufprogramme werden vor der Hauptversammlung des jeweiligen Unternehmens angekündigt. Nach der Versammlung und der Genehmigung durch die Aktionäre vergehen oft Wochen oder Monate, bis das Unternehmen tatsächlich Aktien vom Markt nimmt. Normalerweise melden Unternehmen dann allerdings den Start und den konkreten Zeitraum, sobald es so weit ist.
Sie finden nähere Informationen zu den einzelnen Firmen im Internet. Auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Ad-hoc-Publizität (www.dgap.de) melden die meisten deutschen AGs unter anderem auch den Beginn von Rückkaufprogrammen. Wenn Sie die Chance auf noch höhere Kursgewinne steigern wollen, können Sie sich auch nur auf die Kandidaten konzentrieren, die zu den 20% der Firmen mit dem niedrigsten KBV zählen. Besonders erfolgversprechende Rückkaufkandidaten sind Unternehmen, die genug Geld für den Rückkauf der eigenen Aktien auf dem Konto haben.